Wand streichen
Ein sauberes Streichergebnis entsteht vor dem ersten Farbtropfen: Untergrund prüfen (stark saugende oder sandende Wände grundieren), Kanten und Anschlüsse mit Malerkrepp abkleben, dann mit dem Pinsel die Ränder vorlegen und die Fläche mit der großen Rolle nass-in-nass in Bahnen ausrollen — nie eine Bahn antrocknen lassen, das gibt die berüchtigten Streifen. Pro Anstrich rechnest du etwa 0,13–0,17 Liter Wandfarbe pro m²; zwei Anstriche sind bei Farbwechseln die Regel. Der Rechner unten übernimmt die Mathematik.
Wie viel Farbe brauche ich?
| Wandfarbe bei 1 Anstrich | 5,5 l – 7,1 l |
| Wandfarbe bei 2 Anstrichen | 10,9 l – 14,3 l |
| Tiefengrund (falls nötig) | 4,2 l – 6,3 l |
Richtwerte für glatte bis leicht strukturierte Wände; Raufaser und saugende Untergründe brauchen eher das obere Ende. Wandfläche = Raumumfang × Höhe minus Fenster und Türen.
Schritt für Schritt
Raum und Untergrund vorbereiten
Möbel raus oder in die Raummitte und abdecken, Boden mit Malervlies auslegen (rutscht weniger als Folie). Löcher spachteln und schleifen. Saugtest: Spritzt Wasser ab, ist die Wand gut; saugt sie es sofort weg, braucht sie Tiefengrund. Kreidetest: Färbt die Hand beim Drüberstreichen, ebenfalls grundieren.
Abkleben
Decke, Sockelleisten, Fenster- und Türrahmen sowie Steckdosenränder mit Malerkrepp abkleben, Krepp fest andrücken. Steckdosen- und Schalterabdeckungen abschrauben geht schneller als sie zu umkleben (Sicherung raus, wenn du die Rahmen abnimmst — die Einsätze bleiben unberührt).
Grundieren, wo nötig
Tiefengrund mit der Rolle satt auftragen und nach Herstellerangabe trocknen lassen (meist über Nacht). Der Schritt entscheidet, ob die Endfarbe gleichmäßig deckt oder fleckig aufzieht.
Ränder und Ecken vorlegen
Mit dem Heizkörperpinsel oder der kleinen Rolle alle Kanten, Ecken und Anschlüsse etwa 5 cm breit vorstreichen — aber immer nur so viel, wie du gleich mit der großen Rolle nass-in-nass anschließen kannst.
Fläche nass-in-nass rollen
Farbe im Abstreifgitter gleichmäßig aufnehmen. In Bahnen von oben nach unten arbeiten, jede Bahn in die noch feuchte vorherige hineinrollen, zum Schluss ohne Druck in eine Richtung überrollen. Eine Wand immer in einem Zug fertig streichen — Pausen mitten in der Fläche geben Ansätze.
Zweiter Anstrich und Abziehen
Nach dem Durchtrocknen (4–6 Stunden) den zweiten Anstrich quer zur ersten Richtung vorlegen und längs ausrollen. Das Kreppband abziehen, solange die Farbe noch leicht feucht ist — im 45°-Winkel, dann reißt keine Farbkante mit.
Werkzeug & Material
- Farbrolle (25 cm) mit Teleskopstiel
- Kleine Rolle und Heizkörperpinsel für Ränder
- Abstreifgitter und Farbwanne
- Malerkrepp, Malervlies, Spachtel
- Wandfarbe (Menge siehe Rechner; auf Deckkraftklasse 1–2 achten)
- Tiefengrund bei saugendem/sandendem Untergrund
- Spachtelmasse für Löcher
Häufige Fehler
- Bahnen antrocknen lassen: Streifen entstehen fast immer, wenn eine Bahn schon angezogen hat, bevor die nächste anschließt. Zügig arbeiten, Wand für Wand — nicht das ganze Zimmer randweise vorpinseln und dann erst rollen.
- Grundierung gespart: Auf stark saugendem Untergrund zieht die Farbe fleckig auf und du brauchst einen dritten Anstrich — teurer als die Flasche Tiefengrund.
- Billige Rolle verwendet: Fusselnde Rollen hinterlassen Flusen in der Fläche, zu kurzflorige decken auf Raufaser nicht. Eine gute Polyamidrolle (12–18 mm Flor je nach Struktur) ist der günstigste Qualitätssprung.
- Krepp zu spät abgezogen: Vollständig durchgetrocknete Farbe reißt beim Abziehen an der Kante aus. Solange die Farbe matt-feucht ist, abziehen — im flachen Winkel.
Häufige Fragen
Muss ich vor dem Streichen tapezieren oder geht Farbe direkt auf Putz?
Farbe geht direkt auf tragfähigen Putz (Q2–Q3 gespachtelt für glatte Optik). Raufaser ist die fehlerverzeihende Variante, weil sie kleine Untergrundmängel schluckt. Beides ist richtig — Geschmacksfrage.
Dunkle Wand überstreichen — wie viele Anstriche?
Mit guter Farbe (Deckkraftklasse 1) meist zwei Anstriche. Bei krassen Wechseln (Dunkelrot auf Weiß) spart ein pigmentierter Renoviergrund als Zwischenschicht oft den dritten Anstrich.
Streichen bei welcher Temperatur?
Ideal sind 15–20 °C ohne Zugluft und ohne direkte Sonne auf der Wand. Zu warme oder zugige Räume lassen die Farbe zu schnell anziehen — Streifengefahr. Nach dem Streichen lüften, aber nicht mit Durchzug.
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